Nachbetrachtung: WM-Sammelaktionen und der Fall „Zucker“

Fußballkuchen, depositphotos, @ arsija, Lizenznehmer: Pressebüro LAAKS

DANK kritisierte WM-Aktionen von Lebensmittelherstellern – ViewMed ordnet ein, warum besonders Kinder geschützt werden sollten

Sammelaktionen, Sondereditionen und Fanprämien hatten rund um die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 viele Familien erreicht. Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) kritisierte dabei besonders Aktionen von Lebensmittelherstellern, bei denen Kinder über Sammelpunkte zum Kauf stark zucker- und fetthaltiger Produkte animiert worden seien.

Ein besonders deutliches Beispiel lieferte ein bekanntes Familienunternehmen für verpackte Süßwaren: Für Prämien wie Trinkflasche, T-Shirt oder Fußball mussten Sammelpunkte auf zahlreichen Produkten des Herstellers gesammelt werden. Laut DANK kamen dabei rechnerisch erhebliche Zuckermengen zusammen. Für eine Trinkflasche waren es rund 1,4 Kilogramm Zucker, für ein T-Shirt mehr als drei Kilogramm und für einen Fußball sogar über fünf Kilogramm Zucker.

Ball mit Softdrink-Flasche, depositphotos, @julos

Auch ein bekannter Softdrink-Hersteller hatte im Umfeld der Weltmeisterschaft mit Sammelanreizen gearbeitet. Zwar konnten die Aktionen auch mit zuckerfreien Varianten genutzt werden, dennoch kritisierte DANK, dass der Kauf von Softdrinks mit Fanartikeln und Fußballbegeisterung verknüpft wurde.

Aus medizinischer Sicht ist diese Kritik nachvollziehbar. Denn gerade Kinder und Jugendliche reagieren besonders stark auf emotionale Werbung, Sammelmechanismen und sportliche Vorbilder. Wird die Begeisterung für Bewegung und Fußball genutzt, um Süßwaren oder Softdrinks attraktiver zu machen, entsteht ein widersprüchliches Signal: Sport steht für Aktivität und Gesundheit, beworben werden aber Produkte, die bei häufigem Konsum Übergewicht, Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes und andere nichtübertragbare Erkrankungen begünstigen können.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, freien Zucker auf weniger als zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen. Schon kleine Portionsgrößen können diese Bilanz deutlich belasten, wenn sie regelmäßig konsumiert werden.

ViewMed sieht darin ein wichtiges Präventionsthema. Entscheidend ist nicht, einzelne Produkte grundsätzlich zu verbieten. Wichtig ist vielmehr, Kinder nicht gezielt über Prämien, Sammeldruck und Sportbegeisterung zu einem höheren Konsum stark zuckerhaltiger Lebensmittel zu verleiten. Gerade bei Familien braucht es mehr Bewusstsein dafür, wie schnell aus kleinen Belohnungen eine erhebliche Zuckerbelastung werden kann.

Der Fall zeigte einmal mehr: Prävention braucht die Arztpraxis – sie muss aber auch dort ansetzen, wo Kinder täglich Kaufanreizen, Werbung und vermeintlich harmlosen Sammelaktionen begegnen.