Mit der Urlaubszeit stellt sich für viele Menschen mit Diabetes die Frage: Was muss mit, was gehört ins Handgepäck, und wie bleibt der Blutzucker unterwegs stabil? Nach Angaben des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD), der Deutschen Diabetes-Hilfe e. V. und der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) leben in Deutschland rund 11 Millionen Menschen mit Diabetes, darunter mindestens 9,1 Millionen mit diagnostiziertem Typ-2-Diabetes. Hinzu kommt eine geschätzte Dunkelziffer von mindestens 2 Millionen Menschen.
Für Menschen mit bekannter Diabetesdiagnose ist eine Reise dennoch möglich – vorausgesetzt, Medikamente, Messmaterial, Verpflegung und wichtige Unterlagen sind rechtzeitig vorbereitet. Besonders Menschen, die Insulin oder GLP-1-Analoga spritzen müssen, eine Insulinpumpe nutzen oder blutzuckersenkende Medikamente einnehmen, sollten längere Reisen vorab mit ihrem Behandlungsteam besprechen.
Diabetesbedarf gehört ins Handgepäck
Ein zentraler Punkt bei Flug-, Bahn- oder Autoreisen ist die richtige Verteilung des Diabetesbedarfs. Medikamente und Messmaterial sollten nicht ausschließlich im aufgegebenen Koffer transportiert werden. Geht Gepäck verloren oder verspätet sich die Ankunft, fehlen sonst unter Umständen wichtige Hilfsmittel.
Ins Handgepäck gehören deshalb je nach Therapieform Insulin oder blutzuckersenkende Tabletten, Pens, Spritzen, Pumpenzubehör, Sensoren, Teststreifen, Messgerät, Batterien, Lanzetten sowie schnell wirksame Kohlenhydrate wie Traubenzucker oder kleine Snacks. Auch ein Diabetespass, ein Notfallausweis und eine ärztliche Bescheinigung für Flug- oder Grenzkontrollen können sinnvoll sein.
Dr. Kerstin Bayer-Pörsch, VDBD-Vorstandsmitglied sowie Diabetesberaterin und Oecotrophologin aus Pohlheim bei Gießen, empfiehlt, den Bedarf großzügig zu planen. Wer zusätzlich Vorräte auf mehrere Handgepäckstücke oder Mitreisende verteilt, ist besser abgesichert, falls eine Tasche verloren geht oder beschädigt wird.
Hitze, Bewegung und Essen können den Blutzucker beeinflussen
Im Urlaub verändert sich häufig der Tagesrhythmus. Mahlzeiten finden später statt, die Bewegung nimmt durch Spaziergänge, Schwimmen oder Ausflüge zu, gleichzeitig können Hitze und Sonnenbäder den Stoffwechsel beeinflussen. Bewegung kann den Blutzucker senken. Wärme kann die Wirkung von Insulin verändern und unter Umständen beschleunigen. Dadurch kann das Risiko für Unterzuckerungen steigen.
Insulin sollte deshalb nicht in der prallen Sonne liegen und bei höheren Temperaturen geschützt transportiert werden, zum Beispiel in einer geeigneten Kühltasche. Kühlakkus sollten dabei nicht tiefgefroren sein, damit das Insulin nicht versehentlich zu stark gekühlt wird.
Während der Reise kann es sinnvoll sein, den Blutzucker häufiger zu kontrollieren als im Alltag. Als Orientierung nennt der VDBD Messungen etwa alle zwei bis drei Stunden während der Reise. Wer ein System zur kontinuierlichen Glukosemessung nutzt, sollte dennoch Ersatzmaterial dabeihaben und wissen, wie Werte bei Unsicherheit mit einem Blutzuckermessgerät überprüft werden können.
Die erste Nacht am Urlaubsort nicht unterschätzen
Nach der Ankunft möchten viele Reisende sofort abschalten. Gerade bei Diabetes kann die erste Nacht am Urlaubsort jedoch eine Phase sein, in der der Körper noch auf Anreise, Klima, ungewohnte Mahlzeiten oder zusätzliche Bewegung reagiert.
Auch Magen-Darm-Beschwerden sollten ernst genommen werden. Bei Durchfall oder Erbrechen verliert der Körper Flüssigkeit und Salze. Gleichzeitig kann die Blutzuckereinstellung schwieriger werden. Betroffene sollten ausreichend trinken, leicht verdauliche Kohlenhydrate aufnehmen und die Werte engmaschig kontrollieren. Bei anhaltendem Erbrechen, auffälligen Werten oder Unsicherheit sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Was bei Insulinpumpen zusätzlich wichtig ist
Menschen mit Insulinpumpe sollten primär bei längeren Auslandsreisen auch einen möglichen Pumpenausfall einplanen. Sinnvoll können ausreichend Langzeit- und Kurzzeitinsulin in Pens, passende Nadeln und ein schriftlich festgelegtes Umstellungsschema sein. Darin sollte dokumentiert sein, wie Basaldosis, Kohlenhydrate und Korrekturfaktoren im Notfall gehandhabt werden. Einige Hersteller bieten zudem Urlaubspumpen an, die meist rechtzeitig vor Reisebeginn reserviert werden müssen. Auch die internationale Notrufnummer des Pumpenherstellers sollte vor der Abreise im Smartphone gespeichert werden.
5 Punkte für die Reisevorbereitung bei Diabetes
1. Diabetes- oder Notfallausweis einpacken
Am besten mehrsprachig oder mit Übersetzung in die Landessprache. So erkennen Helferinnen und Helfer schneller, dass ein Diabetes vorliegt.
2. Ärztliches Attest vorbereiten
Bei Insulin, Spritzen, Pens, Pumpenzubehör, Sensoren oder Messgeräten kann eine ärztliche Bescheinigung Flug- und Grenzkontrollen erleichtern.
3. Schnell wirksame Kohlenhydrate griffbereit halten
Traubenzucker, Saft oder kleine Snacks gehören ins Handgepäck, damit bei sinkendem Blutzucker schnell reagiert werden kann.
4. Ersatzmaterial und Notfallmedikamente prüfen
Je nach Therapie können ein zweites Messgerät, zusätzliche Teststreifen, Sensoren, Batterien, Pumpenzubehör oder Glukagon sinnvoll sein. Was individuell notwendig ist, sollte vorab mit dem Behandlungsteam geklärt werden.
5. Hilfe am Urlaubsort planen
Vor der Abreise ist es sinnvoll, zu prüfen, wo ärztliche Hilfe erreichbar ist und ob die Auslandskrankenversicherung diabetische Notfälle abdeckt. Einfache Sätze in der Landessprache können zusätzlich helfen, etwa: „Ich habe Diabetes“ oder „Ich benötige ärztliche Hilfe“.
Medizinischer Hinweis: Diese Informationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung. Menschen mit Diabetes sollten vor längeren Reisen, Flugreisen, Fernreisen, Reisen mit Zeitverschiebung oder bei bestehender Unsicherheit unbedingt ihre Therapieplanung mit der behandelnden Ärztin, dem behandelnden Arzt oder dem diabetologischen Team besprechen.
Quellen: Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD), diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe e.V., Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), viewmed.de
