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Warum Übergewicht manchmal nur wenig mit Disziplin zu tun hat 

Übergewicht durch hormonelle Dysbalance

Übergewicht wird oft vorschnell mit falscher Ernährung, zu wenig Bewegung oder mangelnder Disziplin erklärt. In der Praxis sehen wir jedoch immer wieder, dass Gewichtszunahme deutlich komplexer sein kann. Ein aktuelles Fallbeispiel aus unserem Praxiszentrum ViewMed zeigt, wie eng hormonelle Dysbalancen, Schlafstörungen, Stimmung, Heißhunger und Stoffwechsel miteinander verbunden sein können.

Im Mittelpunkt steht eine Patientin, deren Gewichtszunahme vor rund 15 Jahren begann – etwa um das 40. Lebensjahr. Begleitend bestanden Schlafstörungen, Nervosität, erhöhte Reizbarkeit und eine depressive Verstimmung. Die gezielte Behandlung läuft seit vier Monaten. Entscheidend war dabei, dass nicht nur das Gewicht betrachtet wurde, sondern die biochemische Ausgangslage des Körpers. In der laborgestützten Diagnostik zeigten sich deutliche Defizite unter anderem bei Progesteron, Estradiol und Serotonin sowie bei wichtigen Mikronährstoffen.

Funktionelle Überbelastung der Leber 

Gerade diese Konstellation ist medizinisch relevant. Denn wenn hormonelle Botenstoffe und wichtige Cofaktoren fehlen, wird der Stoffwechsel oft nicht mehr ausreichend angeregt. Der Körper arbeitet dann gewissermaßen mit angezogener Handbremse. Im vorliegenden Fall zeigte sich zusätzlich eine funktionelle Überlastung der Leber – nicht als klassische Lebererkrankung, sondern als Hinweis darauf, dass Stoffwechselprodukte nicht mehr optimal verarbeitet werden. Auch das kann Gewichtsreduktion erschweren und die allgemeine Belastung erhöhen. Deshalb begann die Behandlung nicht direkt mit einer Ernährungsumstellung. Zunächst wurde die biochemische Situation gezielt korrigiert. Über etwa vier Wochen erfolgte eine laborbasierte Unterstützung mit Hormonen sowie ausgewählten Vitaminen und Mineralstoffen, darunter Vitamin D, Selen, Magnesium, einem B-Vitaminkomplex und Jod. Erst im Anschluss wurde die Ernährung angepasst. Dieser zeitversetzte Ansatz kann sinnvoll sein, wenn eine hormonelle Dysbalance den Stoffwechsel so stark beeinflusst, dass eine gesunde und individuelle Ernährung allein zunächst nicht ausreicht.

Die Entwicklung war deutlich: In den ersten vier Wochen nach Beginn der Ernährungsumstellung reduzierte sich das Gewicht der Patientin um sechs Kilogramm, der Bauchumfang nahm um sechs Zentimeter ab. Begleitet wird die Patientin von unserem Ärzte- und Praxisteam weiterhin engmaschig im Zwei-Wochen-Rhythmus. Zusätzlich sind regelmäßige Kontrollen des Hormonstatus im ersten Behandlungsjahr vorgesehen, um die Entwicklung zu stabilisieren und Rückfälle zu vermeiden.

Kohlenhydratverteilung mitursächlich für Zustand

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Ernährung der Patientin nicht einfach pauschal als ungesund beschrieben werden kann. Entscheidend waren vielmehr die Verteilung der Kohlenhydrate über den Tag und eine unzureichende Eiweißzufuhr. Hinzu kam Heißhunger, vorwiegend in den Abendstunden. Im geschilderten Fall wurde dieser Heißhunger nicht als mangelnde Willenskraft eingeordnet, sondern als mögliche biochemische Reaktion auf hormonelle und neurochemische Defizite. Gerade ein Serotoninmangel kann sich auf Schlaf, Tagesenergie, Stimmung, Antrieb und Essverhalten gleichermaßen auswirken.

Fazit: Unser aktuelles Fallbeispiel macht deutlich, dass Übergewicht nicht immer ein Ernährungsproblem sein muss. Bei manchen Patientinnen und Patienten spielen hormonelle Dysbalancen eine zentrale Rolle. Letztere können den Stoffwechsel bremsen, die Regeneration verschlechtern, Heißhunger begünstigen und dazu führen, dass klassische Empfehlungen wie „weniger essen“ oder „mehr bewegen“ zu kurz greifen. Für uns zeigt dieser Verlauf, wie wichtig eine individuelle medizinische Einordnung ist. Erfolgreiche Gewichtsreduktion beginnt nicht immer mit Verzicht. Manchmal beginnt sie damit, hormonelle und biochemische Störungen überhaupt erst zu erkennen – und den Körper so zu unterstützen, dass Regulation wieder möglich wird.

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